König Eisenherz

Christoph Wachter-Wiesler, VINEUS Trendsetter 2015, kultiviert auf dem für südburgenländische Verhältnisse als Beinahe-Hochgebirgszug durchgehenden Eisenberg, Weine von bezaubernder Finesse und beeindruckender Eigenständigkeit. Begegnung mit einem, der nicht nur Blaufränkisch kann, wie kaum ein Anderer seiner Generation.

Haushund Stoney biegt als Erster um die Ecke, wuselt aufgeregt zwischen den fremden Besuchern hin und her und bringt zum Auftakt gleich einmal ordentlich Bewegung in dieses ansonsten völlig in sich zu ruhen scheinende Epizentrum der südburgenländischen Weinkultur.

Das Weingut, auf einer kleinen Anhöhe über Deutsch Schützen, ist das Reich von Stoneys Herrl, Christoph Wachter-Wiesler. 30 Jahre jung, sanfter Weinbau-Revoluzzer, Godfather of Blaufränkisch Eisenberg DAC.

„Für ein Achterl zum Kosten is es ja noch fast zu früh“, scherzt Christoph zur Begrüßung. „Ich zeig euch erst einmal den Keller und dann fahren wir rüber zum Eisenberg, wenn ihr wollt’s.“
Wollen wir. Unbedingt.

2010 übernahm Christoph das Familienweingut an der ungarischen Grenze, 16 Hektar bewirtschaftet er mittlerweile komplett biologisch am Schützener Berg und am Eisenberg.

Das hier war immer eine Rotweinregion“, erklärt er während der Fahrt, „und angesichts des Terroirs und der alten Weingärten, die wir Gott sei Dank bis jetzt bewahren konnten, wäre es völlig irrsinnig, was anderes auszupflanzen.“

Neben der Hauptsorte Blaufränkisch, die Christoph seit Jahren so balanciert, präzise, finessenreich und terroirtypisch in die Flasche bringt, dass es Rotweinaficionados aus dem In- und Ausland vor Glück das Wasser in die Augen treibt, findet aber auf den kargen Böden am Eisenberg auch Welschriesling prächtige Bedingungen vor.

Christoph legt seinen „Olaszriesling“ in 500-Liter-Holzfässer, lässt ihn spontan vergären, füllt spät ab und schafft so einen animierend salzigen, tiefgründigen Wein, der mindestens ein Universum weit entfernt ist vom klassisch-steirischen Zeltfestwein.

In der Lage Seybritz am Eisenberg angekommen dreht sich aber trotzdem alles erst einmal um Blaufränkisch und die Voraussetzungen, die er hier auf bis zu 600 Metern Seehöhe vorfindet.

In Kombination mit der Kessellage des Eisenbergs, ausreichend Regen und relativ kühlen Nächten im Herbst begünstigen die eisenhältigen, mit Lehm durchmischten Schieferböden charakteristisch mineralische und elegante Blaufränkisch mit rot- und dunkelbeerigen Noten. Das Gestein ist weich und extrem porös, es zerbröselt quasi von alleine, sobald man es in die Hand nimmt.

Ich find es immer noch faszinierend zu sehen, wie wenig die alten Rebstöcke hier heroben brauchen, denn die Böden sind wirklich karg“, sagt Christoph.

Die bis zu 70 Jahre alten Rebflächen auch zukünftig zu erhalten, ist eines seiner aktuell wichtigsten Projekte.

„Wir haben immer wieder mit Hagelschäden zu kämpfen und stellen jetzt deshalb einmal im ersten Schritt neun Hektar unter Netz. Wobei ich das nicht nur mache, um die Ernte zu sichern. Es ist auch Psychohygiene. Wenn du jedes Mal, sobald eine dunkle Wolke am Himmel aufzieht, zu Zittern anfängst, macht das auf Dauer keine Freud‘.“

Stichwort Freude: Dieses unaufgeregte kleine Glück, das man in dieser bezaubernden Region nicht nur im Weinglas, sondern auch auf dem Teller oder beim einfach Sein finden kann, mit mehr Auswärtigen zu teilen, ist Familie Wachter-Wiesler ein großes Anliegen.

Deshalb haben sie auch in unmittelbarer Nähe zum Weingut mit dem haubengekrönten Restaurant Wachter-Wiesler Ratschen und der angeschlossenen Wohnothek einen Ort geschaffen, wo man gerne länger bleibt.

„Die Wahrheit ist doch, dass wir hier ja schon ein bissl am „A“ der Welt daheim sind“, witzelt Christoph zurück auf der Terrasse der hauseigenen Buschenschank, die bald zu einem zeitgemäßen Verkostungsraum mit offener Küche umgebaut werden soll, während wir unsere Nasen verschwörerisch über dem Glasrand des Olaszriesling 2017 kräuseln. „Da muss man sich schon was einfallen lassen, um mehr Gäste hier her zu bringen.“

Da hat er bestimmt recht, denkt man so bei sich, lässt den Blick über die verwaisten, im Mittagslicht grasgrün schimmernden Weingärten schweifen – und wünscht sich trotzdem insgeheim ein bisschen, man hätte Orte, Momente und Weine wie diese immer ganz für sich alleine.