Madame Courage

Vor 20 Jahren ließ sich eine 23-jährige gebürtige Bauerstocher namens Sonja Rauch auf ein Abenteuer namens Dorfwirtshaus ein – und hat es gemeinsam mit Bruder Richard zu einer der führenden Wein- und Kulinarik-Destinationen Österreichs aufgebaut. Ein Besuch im Steira Wirt.

Es ist ein Früh-Sommertag, an dem sich die Südoststeiermark in der schönsten Version ihrer selbst präsentiert: Perfekt geschwungene Hügel, blühende Streuobstwiesen und der unvergleichliche Duft der ersten Rebblüten, der auch durch die kleine Gasse vor dem Eingang des Restaurants Steira Wirt, VINEUS Weinrestaurant 2016, weht.

Dort steht Sonja Rauch und legt zur Begrüßung gleich einmal dieses entspannt-aufmerksame Lächeln auf, das wir in den folgenden Stunden noch oft sehen werden – und das sich am selben Abend noch einmal verbreitern wird.

Sie weiß es zu dem Zeitpunkt zwar noch nicht, aber abends wird Frau Rauch bei der À-la-Carte Trophée Gourmet in Wien an der Seite ihres Bruders, Koch Richard Rauch, wieder einmal eine Auszeichnung entgegennehmen – die für die beste kreative Küche des Landes nämlich.

Seit 20 Jahren ist Sonja Rauch die gastgeberische und vinophile Seele des mit 3 Gault-Millau-Hauben ausgezeichneten Steira Wirts in Trautmannsdorf, der anlässlich des Jubiläums Anfang Juni seine Erfolgsgeschichte unter dem neuen NamenGeschwister Rauch“ weiterschreiben wird.

„Das macht Sinn, denn wir sind ja über die Jahre hinweg gemeinsam gewachsen, der Richard als Koch, ich als Sommelière und Wirtin“, sagt Sonja.

„Wobei ich sagen muss, dass ich mich zwar immer schon als Unternehmerin gesehen hab, aber ins Restaurantgeschäft musste ich erst hineinwachsen.“

Sie ist ziemlich gut hineingewachsen. Denn aus dem alten Wirtshaus mit angeschlossener Fleischerei, dass der Vater der damals 23-jährigen Sonja anvertraute, hat sie gemeinsam mit Richard ein Genuss-Universum geschaffen, zu dem neben dem Restaurant und der hauseigenen Gourmet-Greisslerei seit 2018 auch das Gästehaus Villa Rosa auf der anderen Straßenseite zählt.

Ein Ort, der alle Eigenschaften vereint, die auch auf Sonja Rauch zutreffen:
Stil, Wärme, Herzlichkeit, Bodenständigkeit und eine scheinbar selbstverständliche Mühelosigkeit.

Dabei waren ihre Anfänge als Jungchefin alles andere als mühelos.

„In den ersten zwei Jahren hatte ich fünf verschiedene Küchenchefs und kein Netzwerk, auf das ich aufbauen konnte – auch nicht beim Wein. Ich habe jeden Weinbauern persönlich abgeklappert, weil anfangs hatten wir sechs Weine auf der Karte, und das konnte so natürlich nicht bleiben“, erzählt sie.

„Als klar war, dass Richard als Koch nicht nur das Talent hat, sondern auch meine Idee von Qualität teilt, wusste ich: Das ist die richtige Entscheidung. Wir machen das jetzt gemeinsam, und wir werden es gut machen.“

Das Gefühl, dass sie härter für ihren Erfolg kämpfen musste, als ihre männlichen Kollegen, hatte sie dabei nie.

„Das hat aber vielleicht auch mit meinem Auftreten und meiner Persönlichkeit zu tun!“, lacht sie. „Und mit dem Frauenbild, mit dem ich aufgewachsen bin.“ Das hätte vor allem die Oma entscheidend geprägt, die früh verwitwet eine große Landwirtschaft ganz selbstverständlich alleine geführt hätte.

Was Richard und mir von unserer Familie mitgegeben wurde ist, dass man mit Fleiß, Mut und Konsequenz alles erreichen kann. Und mit echter Leidenschaft für das, was man tut.

Im 400 Jahre alten Weißweinkeller und dem Rotweinkeller des Hauses lagern aktuell rund 500 Positionen von Sonja Rauchs Leidenschaften. Ihre größte gilt aktuell deutschen und französischen Rieslingen. „Am meisten Spaß habe ich aber gerade mit einem Steirer, dem Riesling Ried Gaisriegl von Familie Schauer. Ganz großes Kino“, schwärmt sie.

Dass sich eine wachsende Zahl von Gästen – vor allem jene, die sich für das Degustationsmenü des Steira Wirts entscheiden – auch auf ihr begleitendes Weinkino einlässt, empfindet sie als große Wertschätzung für die harte Arbeit der letzten 20 Jahre.

„Es ist schön zu sehen, wenn die Gäste mir als Sommelière das Vertrauen schenken und sich nicht nur auf eine Gaumen- sondern auch auf eine Weinreise einlassen“, sagt sie. Und da gesellt sich zum entspannt-aufmerksamen Lächeln am Schluss noch ein Ausdruck von Stolz und Zufriedenheit in Sonja Rauchs Gesicht.