Löss for Life

Im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne lebt VINEUS Newcomer 2017 Leopold Figl mit einer selbstverständlichen Leichtigkeit seine ganz große Liebe. Und die heißt Grüner Veltliner.

Es ist noch gar nicht so lange her, da bog der Weinkenner, nicht einfach so, mir nichts dir nichts ab ins Traisental.

Fokussiert auf die großen Gewächse und Weinbaubetriebe der Wachau, ließ man das kleine Tal zwischen St. Pölten und der Donau mit seinen Buschenschänken und kleinen landwirtschaftlichen Mischbetrieben früher nämlich gern mal links liegen. Heute ist das anders.

Und das ist vor allem Winzern wie Leopold Figl zu verdanken.

„Die klimatischen und geologischen Voraussetzungen für vielschichtige, mineralische Weißweine, allen voran Grüner Veltliner, waren hier immer sensationell“, sagt Figl und bremst ruckartig auf dem steilen, schattigen Hohlweg, den das Wasser hier in Jahrmillionen aus dem Löss geschwemmt hat. „Aber es hat vielen Winzern an Selbstbewusstsein gefehlt, sich diese Voraussetzungen richtig zu Nutze zu machen“, schiebt er nach, schon halb auf dem Weg vom Fahrersitz zum mächtigen Lösswall, der neben uns in den Himmel wächst. Wind und Wetter haben kleine Furchen in die imposanten, gelblich weißen Wände gegraben, Liebespaare ihre Schwüre in sie geritzt, Bienenfresser ihre Bruthöhlen in sie hineingebaut.

„Dieser Boden“, sagt Leo Figl, „ist unser größter Schatz.“ Ein feines, stolzes Lächeln legt sich auf sein Gesicht und bleibt da, während wir schweigend weiter fahren – dahin, wo Leopold Figl am allerliebsten ist: in seine Weingärten.

In den malerischen Rieden Setzen, Rosengarten und Sonnleithen kultiviert Figl Grünen Veltliner und Riesling, aber auch Zweigelt und Chardonnay. Letzterer liegt Figl besonders am Herzen, bildet er doch die Basis für seine geheime Leidenschaft, das Sektmachen. „Die Blanc de Blancs sind so eine kleine Spinnerei von mir“, schmunzelt er. „Aber der Veltliner ist und bleibt meine Paradedisziplin.“

Figls Veltliner-Spektrum reicht von leichten und frischen Vertretern über Mittelgewichte wie die DAC-Weine der Lage Setzen bis hin zur Großen Reserve, in der das beste und reifste Traubenmaterial aller drei Lagen zusammenfindet. Die bewirtschaftet Figl nicht bio-zertifiziert, aber so naturnah wie irgendwie geht, um das, was Boden und Klima hergeben, so unverfälscht wie möglich abzubilden.

Rund 70.000 Flaschen produziert Figl im Jahr unter Idealbedingungen – das ist nicht viel, aber: „Größer zu werden, stand nie zur Diskussion und wird es auch zukünftig nicht. Mir ist wichtig, dass wir qualitativ jedes Jahr das Beste rausholen, ich leg auf Masse keinen Wert. Und wir sind ja nach wie vor ein reiner Familienbetrieb.“

Im Weingut Stift Göttweig und im Weingut Stadt Krems werkte Figl elf Jahre als Kellermeister, bevor er 2012 nach Hause zurückkehrte. Die traditionsreiche Vorgeschichte der Weinbauernfamilie Figl, die seit 1960 Weingärten im Unteren Traisental bewirtschaftet, hat er nie als Last empfunden, sondern ihr mit einer klaren und fokussierten Handschrift ein neues Kapitel eröffnet. Dabei ist er gewissen handwerklichen Prinzipien ganz selbstverständlich treu geblieben. „Es ist eigentlich ganz einfach“, sagt Leo, während wir uns auf dem Weg durch die Rebzeilen seiner Veltliner-Spitzenlage Rosengarten gegen den kräftigen Südostwind stemmen, der bauschige Wolken über die Hügel peitscht.

„Der Wein muss nach dem Boden schmecken, auf dem er wächst. Wirklich guter Wein kann nur entstehen, wenn du im Weingarten super-sauber arbeitest und mit dem, was du erntest, so sanft wie möglich umgehst. Einen Wein kannst im Keller nicht mehr besser machen. Punkt.“